Das Belichtungsdreieck – Blende, Zeit und ISO

Hallo liebe Fotofreunde,

oft stoße ich auf Unverständnis bei den Belichtungseinstellungen. Dabei ist es im Prinzip ganz einfach, es wird nur oft zu kompliziert beschrieben.

Deshalb kommt hier mal ein Versuch von mir, es so einfach wie möglich zu halten.

Es gibt drei verschiedene Arten die Belichtung zu beeinflussen: Die Blende, die Belichtungszeit und die Lichtempfindlichkeit (ISO).

  • Die Blende
    Gerne nenne ich die Blende auch „das unbekannte Mysterium“, denn nichts scheint den geneigten Einsteiger mehr zu verwirren als dieser Begriff. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Die Verwirrung kommt nur dadurch dass der erfahrene Fotograf diesen Begriff für verschiedene Dinge missbraucht, sei es aus Bequemlichkeit oder „weil man das ja so sagt“. Die Fotografie ist ein Handwerk, und wie in vielen anderen Gewerken gibt es auch hier eine Fachsprache die nur Eingeweihten geläufig ist.
    Lassen wir das weg und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Die Blende ist ein Bauteil im Objektiv das die Menge des einfallenden Lichtes begrenzen kann. Wenn sie weit geöffnet ist dann lässt sie viel Licht durch, wird sie geschlossen kommt wenig durch. Dazwischen gibt es mehr oder weniger Abstufungen. Ein weiterer, gestalterischer Aspekt der Blende ist die Vergrößerung der Schärfentiefe, wenn sie geschlossen wird. Im Umkehrschluss kann man bei geöffneter Blende schön mit Unschärfe spielen. Das ist aber auch noch alles abhängig von der Brennweite. Über Details sprechen wir mal an anderer Stelle, die sind jetzt nicht hier wichtig (werden hier bald verlinkt). In diesem Beitrag geht es nur um die Belichtung.

Merke: Blende auf -> viel Licht, Blende zu -> wenig Licht

  • Die Belichtungszeit
    Was den meisten einleuchtet ist der Umgang mit der Belichtungszeit. Je länger desto heller, sagt man. Das stimmt auch fast, wenn man nur die Zeit betrachtet. Die Belichtungszeit ist der Zeitraum, in dem Licht auf den Sensor fällt. Je länger dieser Zeitraum ist desto mehr Licht fällt natürlich in das Objektiv. Wie viel Licht es durch das Objektiv hindruch schafft regelt die Blende, aber wenn die nicht verstellt wird dann funktioniert diese einfache Rechnung.
    Wir kennen kurze und lange Belichtungszeiten, aber was ist die „Normalzeit“? Wie bei allem in der Fotografie ist „normal“ immer das was unserem Sehen am nächsten kommt. Und da finden wir uns bei ca. 1/30 Sekunde wieder. Wir sehen ca. 30 Bilder pro Sekunde, so dass jedes einzelne Bild ca. 1/30 s lang belichtet wird.
    Jede Belichtungszeit die länger ist lässt Bewegungen stärker verwischen als das Auge es sieht, jede kürzere Zeit friert Bewegungen stärker ein und macht sie schärfer. Damit ist die Zeit ein wichtiges Gestaltungsmittel, aber auch das erkläre ich an anderer Stelle konkreter.

Merke: Lange Zeit -> viel Licht, kurze Zeit -> wenig Licht

Die Lichtempfindlichkeit (ISO)

  • Auch hier scheint es oft Verständnisprobleme zu geben. Dabei ist auch dies einfach zu verstehen, jedoch braucht es dafür ein paar Worte mehr.
    Heutzutage, in der Digitalfotografie, ist die ISO nichts weiter als die Angabe wie stark das Signal des Sensors verstärkt wird.
    ISO 100 ist dabei meistens der Standard, bei ISO 200 wird die Signalstärke verdoppelt, bei ISO 400 vervierfacht, bei ISO 800 verachtfacht und so weiter. Das Licht wirkt sich also zweimal, viermal, achtmal usw. stärker aus als bei der Standardaufnahme.
    Früher beim analogen Film geschah das durch eine echte Veränderung der Empfindlichkeit des genutzten Materials und seiner Chemie, heute ist es ein rein mathematischer Vorgang der Addition des Signals, also eine rechnerische Verstärkung.Dummerweise kann man diese Verstärkung nicht beliebig fortsetzen, denn mit der Aufhellung des einfallenden Lichts werden auch Störungen deutlich sichtbarer. Diese als „Rauschen“ („visual noise“) bezeichneten Störungen machen sich so bemerkbar wie früher der Schnee im Fernseher oder das Rauschen im Radio, wenn der Sender nicht richtig eingestellt war. Wenn wir einen sehr hohen ISO-Wert benutzen dann kann das Rauschen wirklich störend werden. Wann das so weit ist hängt vom persönlichen Empfinden ab und von der Größe der späteren Abbildung. Ein kleines Bild auf dem Monitor wird kaum was von dem Rauschen zeigen, was man bei einem Din A2 Posterdruck schon sehr deutlich sehen würde, weil hier die Auflösung viel feiner ist.
    Warum ich hier das Auge-Symbol benutze? Weil im Gegensatz zur Kamera unser Auge nicht nur Bausteine hat um die Farben zur erkennen, sondern ganz spezielle Teile die dafür da sind auch im Dunkeln noch gut zu sehen. Und zwar so gut wie kaum eine Kamera das im Moment nachmachen kann.
    Und außerdem ist mir kein anderes Symbol eingefallen 😉

Merke: Hohe ISO -> viel Licht, kleine ISO -> wenig Licht

Wie arbeiten diese Bausteine nun zusammen? Auch das ist denkbar einfach. Ausgehend von der „richtigen“ Belichtung (alle Helligkeitswerte ergeben im Durchschnitt ein 18%iges Grau) passiert folgendes:
Wenn die Belichtungszeit halbiert werden muss, weil sich z.B. unser Motiv bewegt, dann muss die Blende um eine ganze Stufe weiter geöffnet werden. Dabei gilt dass 1 Blendenstufe = 1 Lichtwert entspricht (engl.:EV für evaluation value) , dies ist je nach Richtung eine Veropplung bzw. Halbierung der Lichtmenge. Da eine Halbierung oder Verdopplung immer gleich ein Riesenschritt ist werden diese Schritte in Drittel eingeteilt. Von 1/100 s auf 1/200 s finden wir also noch zwei Zwischenschritte, 1/125 s und 1/160 s.
Die Blendenwerte sind nicht so einfach zu verstehen, aber das ist nicht weiter wichtig. Hier gilt auch die Drittelschritt-Regel: Von f/8 geht es über f/7.1 und f/6.3 zu f/5.6, was die doppelte Lichtmenge bedeutet. Bei der Blendenzahl ist es ja so, dass sie kleiner wird wenn die Öffnung größer wird. Warum das so ist klären wir später mal im Blenden-Beitrag.
Können oder wollen wir die Blende nicht weiter öffnen dann muss die ISO ran: Um den Lichtverlust durch die Halbierung der Belichtungszeit auszugleichen verdoppeln wir die ISO. Bei einigen Kameras geht das auch in Drittelschritten, bei vielen Einstiegermodellen gibt es hier aber nur die ganzen Schritte, von 100 auf 200 auf 400 usw.
Unser Bild ist jetzt genau so hell wie vorher, aber Bewegungen können besser eingefroren werden.

Hier habe ich eine Grafik für Euch erstellt, die diese Zusammenhänge schildert. Ihr könnt sie gern herunterladen. Dazu bitte einfach drauf klicken um in die Großansicht zu wechseln.
Über das Thema Belichtungsmessung habe ich bei Blende 8 ein kleines Video produziert. Darin geht es um das gleiche Thema: Blende, Belichtungszeit und ISO. Schaut doch mal rein, es lohnt sich 🙂

 

Liebe Grüße und bis bald,
Euer Roland

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Roland Klecker

Roland Klecker

Roland Klecker ist Fotograf in den Bereichen Produkt- und Werbefotografie, Interieur- und Architekturfotografie sowie Portraitfotografie für Gewerbe und Privat.

Er leitet eine Fotoschule in Dortmund. Dort lehrt er die Fotografie mit all ihren Facetten und den gesamten Workflow von Konzeption, Umsetzung und Postproduktion. Für das Bildungszentrum Brackel CCDo leitet er Kurse für Senioren und Jugendliche. An der Business Academy Ruhr sowie an verschiedenen IHK doziert Roland als Experte für Fotografie im Social Media Management und für Online-Redaktionen.

Für den Rheinwerk-Verlag (vormals Galileo Design) ist er Videotrainer für Bildbearbeitung mit GIMP, bei deren Foto-Podcast "Blende 8" Trainer für verschiedene Aspekte der Fotografie. Im Verlag Pearson Photo arbeitete er als Autor für Kamera-Handbücher.

Zudem arbeitet Roland Klecker als freier Foto-Journalist, hauptsächlich in den Bereichen Konzert, Theater, Messe und Event.
Er ist Initiator des Vereins "Hafenknipser", einer gemeinnützigen Organisation für kulturelle Förderung, soziale Teilhabe, Integration und Mitnahme im Dortmunder Bezirk Nordstadt. Er engagiert sich als Mitglied in der Kulturmeile Nordstadt e.V. und im erweiterten Vorstand des Förderverein Kinder und Zoo Dortmund e.V.
Roland Klecker

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