Sensorflecken – woher kommen sie und was kann man dagegen tun?

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Sensorflecken – die Plage der Digitalfotografie

Heute zeige ich Euch einmal ein Bild voller Sensorflecken, das sonst nur meine Workshop-Teilnehmer zu sehen bekommen: Eine frühmorgendliche Aufnahme aus Venedig, der Blick geht vom Dogenpalast (im Rücken) hinüber zum Kloster San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel.
Die Kamera war damals eine EOS 300D, von meinem Bruder Hermann übernommen. Objektiv war das erste 18-55 3.5 – 5.6. Meine erste digitale Ausstattung, die ich eigentlich nur als praktische Belichtungsmessung mitgenommen hatte 😉 Von Problemen wie sie jetzt auf mich zu kamen konnte ich als alter Analog-Fotograf noch nichts wissen.

Aufnahmedaten

Um einen Langzeiteffekt ins Wasser zu bekommen habe ich bei f/29 insgesamt 5 Sekunden belichtet. Die sehr stark geschlossene Blende und die großen hellen Flächen begünstigen dabei die Sichtbarkeit von Sensorflecken. Das sind Schmutz, Staub, aber auch schmutziger Kondensniederschlag (eingetrocknete Tröpfchen) auf dem Sensor. Das Licht fällt durch die enge Blendenöffnung sehr steil auf den Sensor, so dass von manchen Stäubchen eher die Schatten zu sehen sind als der Staub selbst. Und die Tröpfchen sind bei offener Blende auch kein Problem, erst das schräge Licht schafft es nur noch reduziert hindurch, verliert dabei an Intensität und macht sie somit sichtbar.
Deshalb muss man sich nicht wundern dass in Zeiten von „Offenblende“ und „Sigma 30mm 1.4 Art“ als offensichtliches Allheilmittel der (Portrait-)Fotografie nur wenige Fotografen mit dem Thema vertraut sind. Spätestens wenn sich ein Portraitfotograf dann aber mal im Studio versucht oder gar an der Landschaftsfotografie ist das Heulen üblicherweise groß 😀

Bildbearbeitung

Es gibt zwar Tools in Lightroom, Optics pro & Co, mit dem man die Sensorflecken einmal markieren und dann von allen nachfolgenden Bildern entfernen kann, aber auch da muss man noch nacharbeiten. Denn auch wenn die Flecken natürlich immer an derselben Stelle sind ändert sich ja der Inhalt des Bildes. Es ist ein lausiger Job!
Wenn Du in dieser Situation bist dann empfehle ich Dir -sofern Du es nicht schon sowieso hast- die Testversion von Adobe Lightroom oder DXO Optics Pro herunter zu laden. Spätestens die nun folgenden Arbeiten sollten Dir klar machen dass man an einem dieser Entwicklungsprogramme nicht vorbei kommt.

Sensorflecken in Lightroom entfernen

Nach dem üblicherweise recht umständlichen Import der Bilder nimmst Du das Werkzeug „Bereichsreparatur“ Achte darauf den Modus „Reparatur“ einzustellen, nicht „Kopierstempel“.
Dann markierst Du alle Sensorflecken. Das Programm sucht sich selbst passende „Originalstellen“, um deren Inhalt dorthin zu transferieren wo Du einen Sensorfleck hast. Das klappt meistens ganz gut, aber Du kannst die Quelle auch selber wählen. Dafür brauchst Du nur den entsprechenden Kreis zu verschieben.

Wenn alle Flecken auf diese Art beseitigt sind markierst Du vom bearbeiteten Bild aus alle andern mit der gedrückten Strg-Taste oder der Shift-Taste (Umschalttaste). Dann ändert sich unter dem Einstellfenster der Button „Vorherige“ zu „Synchronisieren“. Klickst Du darauf, dann kannst Du Dir aussuchen was Du vom Ausgangsbild auf die anderen übertragen willst. In diesem Fall halt die „Bereichsreparatur“. Du kannst natürlich auch andere Bearbeitungen übertragen, denke aber daran dass sie auch wirklich zu allen Bildern passen sollten. Ein Zuschnitt zum Beispiel oder die Licht-Schatten-Korrektur ist meistens motivabhängig.

 

Nun musst Du bei den anderen Bildern nur noch kontrollieren dass nichts Bildwichtiges gestempelt wurde, denn die Kreise liegen an denselben Koordinaten wie im ersten Bild. Evtl. musst Du den einen oder anderen verschieben oder ganz löschen. Auf gut strukturiertem Hintergrund sind Sensorflecken nur selten zu sehen und brauchen nicht gestempelt zu werden, an anderen Stellen entstehen wiederum Geisterbilder in der Luft.

Sensorflecken in Optics Pro entfernen

Optics Pro geht hier etwas anders vor. Das Werkzeug heißt „Staub“ und Du aktivierst es entweder oben in der Schnellzugriff-Leiste oder rechts in den normalen Einstellungen. Direkt unter dem Bild kannst Du die Größe des Werkzeugs an den jeweiligen Fleck anpassen und die Markierungen an- oder ausschalten.

 

Die Markierung funktioniert etwas anders als in Lightroom. Optics pro nimmst sich die Informationen direkt aus der Umgebung der Flecken. Das geht auch meistens gut, manchmal aber nicht. Dann solltest Du die Markierung entfernen und es vielleicht mit anderer Größe an etwas anderer Stelle nochmal versuchen. Das Staubwerkzeug ist aber auch in der Lage längere, nicht runde Flecken zu markieren. Das kann Lightroom mittlerweile auch, aber längst nicht so elegant.
Sind dann alle Flecken bearbeitet klickst Du mit der rechten Maustaste aufs Bild und öffnest das Kontextmenü. Dort wählst Du „Korrektureinstellungen kopieren“, markierst die anderen Bilder und wählst „Korrektureinstellungen einfügen“. Das geht auch schnell per Hotkey: Strg+Umschalt+C und Strg+Umschalt+V. Hier ist allerdings darauf zu achten dass Optics pro auf einen Schlag sämtliche manuellen Veränderungen kopiert.

 

Der Workflow ist hier also anders: Erst alle Fehler beheben, dannn übertragen, danach erst mit der individuellen Bearbeitung anfangen. Das habe ich letztlich hier auch mal gemacht, die Einstellungen die für das Bild gewählt wurden kannst Du hier sehen:

 

Ergebnis

Das fertige Bild sieht dann nachher so aus:

 

Sensorflecken im Video

Während die Bearbeitung auf Bildern ja noch recht harmlos ist wird es im Video kritisch: Hier sind es ja 30-50 Bilder PRO SEKUNDE, und die Bearbeitung muss von einem zum anderen exakt gleich sein. Wie das am besten geht siehst Du hier bei Tommaso Maiocchi, er nutzt dafür After Effects von Adobe: Link zum Beitrag.

Man kann die Flecken also entfernen, es ist aber ein immenser Aufwand der letztlich viele Stunden in Anspruch nimmt. Also besser vor dem nächsten Fototrip und danach zum Fotofachhändler Eures Vertrauens und eine Sensorreinigung durchführen lassen! Natürlich kann man so eine Sensorreinigung selbst vornehmen (wenn man sich traut, es ist wie eine Operation am offenen Herzen 😉 ), aber dazu komme ich in einem späteren Beitrag noch einmal. Das würde heute den Rahmen sprengen.
Achtung Werbung: Wir bieten den Service der Sensorreinigung für fast alle gängigen Modelle ebenfalls an, für 25,- bis 45,- Euro, je nach Modell und Aufwand.

 

Vorsorge

Zur Vermeidung stärkerer Verschmutzungen gibt es natürlich auch ein paar Tipps:

 

  1. Die Kamera akklimatisieren lassen! Wenn man von heißer, feuchter Luft in trockene kalte kommt oder umgekehrt dann schlägt sich Feuchtigkeit auf der Kamera nieder. Aber nicht nur auf dem Objektiv, sondern auch auf jedem Glas darin und natürlich auch auf dem Sensor. Also besser die Kamera langsam in der Tasche an die Umgebungstemperatur gewöhnen.
  2. Beim Objektivwechsel die Gehäuseöffnung immer nach unten halten! Man muss nicht dahin schauen um das Objektiv abzunehmen, ehrlich nicht. Zur Not kann man das ein paarmal zuhause blind üben. Der Handgriff ist immer derselbe! Wenn die Öffnung nicht oben ist dann kann auch nichts von oben hinein fallen, kein Speichel vom Reden, kein Nieser und letztlich auch kein fetter Vogeldreck, wie ich es mal bei einem Workshopteilnehmer erlebt habe. Der Schaden war übrigens immens! Die Spiegelmechanik und der Verschluss mussten ausgetauscht werden, der Schaden betrug fast 600,- Euro!
  3. Die Kamera nie ohne Objektiv oder Gehäusedeckel herum stehen oder liegen lassen! Das versteht sich zwar von selbst, aber ich wollte es der Vollständigkeit halber erwähnen 😉
  4. In staubiger, sandiger oder sehr feuchter Umgebung gehört die Kamera in eine einigermaßen luftdichte Klarsichthülle. Ob das nun ein großer Gefrierbeutel ist oder ein einfaches Unterwassergehäuse hängt sowohl von der Größe der Kamera ab als auch vom persönlichen Budget für Zubehör.
  5. Regelmäßig die Kameratasche/den Rucksack aussaugen! Du glaubst ja gar nicht was sich da im Laufe der Zeit für ein Dreck ansammelt 😉

Verschiedene Taktiken

Mein Bruder ist ein reiner Festbrennweitenfreund, unter „Zoom“ versteht der nur die Tier-Erlebniswelt in Gelsenkirchen der verbotenen Stadt. Seine Taktik: Jedes Objektiv ist in ein andersfarbiges Microfasertuch eingewickelt und so in der Kameratasche deponiert. Das Tuch nimmt eventuellen Dreck aus der Tasche auf (die ist wirklich erstaunlich sauber bei ihm) und verrät durch seine Farbe welche Brennweite darin steckt. Den Objektivwechsel nimmt er gern im Schutz der Tasche vor. So ist auch bei häufigem Wechsel viel dafür getan dass es nicht zu starken Verschmutzungen kommt. Die Reinigung seiner EOS 5D und 7D wird dann mindestens einmal im Jahr mit der allergründlichsten und aufwändigsten Art vorgenommen, dem Sensorfilm (Dicsofilm). Du kannst das ja mal hier nachlesen, aber wie gesagt, da schreibe ich noch zu einem späteren Zeitpunkt mal was dazu. Ganz so einfach wie der Entwickler das zeigt geht es nämlich nicht 😉

 

79 Sensorflecken entfernt…

Meine Taktik ist eine andere: Ich arbeite mit mehreren Kameras und wechsele lieber die komplette Einheit als das einzelne Objektiv. Das ist natürlich für den Hobbyfotografen meist nicht praktikabel, so scheint es zumindest. Einerseits ist es unbestritten ein wenig teurer, aber nicht sonderlich viel. Wie man sich für den Preis einer Kamera mehrere anschaffen kann ist wohl auch ein Thema für ein eigenes Blogposting. Wurde an dieser Stelle gemerkt und notiert, kommt bald 😉 Andererseits arbeite ich mit dem Olympus OM-D System, das im Verhältnis zu Spiegelreflex-Kameras nur sehr wenig Platz braucht und auch viel weniger Gewicht auf die Waage bringt. Jedenfalls muss ich nur zur richtigen Kamera greifen, das ist deutlich praktischer und viel zeitsparender als laufend das Objektiv zu wechseln.

Dazu kommt derohnehin beweglich gelagerter Sensor der OM-Ds, mit dem ja auch der Verwacklungsschutz realisiert wird, anders als bei den anderen Herstellern (außer Sony). Wahrscheinlich funktioniert dadurch die automatische Sensorreinigung auch besser. Die Folge meiner Taktik: Ich musste in nunmehr vier Jahren OM-D nur ein einziges Mal (!) einen einzelnen Sensorfleck entfernen, und zwar vor drei Wochen im November. Früher, als ich noch mit den dicken DSLR unterwegs war mussten alle Kameras spätestens nach vier Wochen gereinigt werden. Und bevor jetzt kritische Stimmen aus der entsprechenden Fan-Base laut werden: Ja, das war auch ein staubgeschütztes System, obere Mittelklasse bis Oberklasse vom namhaftesten Hersteller der Welt. Und ja, auch die sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Glaubt es oder lasst es, mir egal!

Nun zu Dir, lieber Fotofreund:
Hast Du noch weitere Tipps, wie man Sensorflecken verhindert? Kennst Du eine andere Software zur Bearbeitung? Plagt Dich noch irgendeine unbeantwortete Frage? Dann schreib mir das doch bitte in einen Kommentar, ich lerne ja gerne dazu 🙂

 

Liebe Grüße und bis bald,
Dein Roland

 

PS: Sensorflecken enstehen nur bei Kameras mit Wechselsystem, nicht bei Bridge- oder Kompaktkameras.

PPS: Sollten bei Bridge- oder Kompaktkameras doch Sensorflecken entstehen dann geht die Reinigung nur beim Hersteller und wird nicht günstig.

PPPS: Meistens ist es aber dann eine Kulanzreparatur, denn es sollte nicht passieren dürfen. Siehe PS 😉

PPPPS: Hier noch ein paar Bilder von derselben Reise, das Problem hatte ich bei allen. Die Arbeit hat sich aber gelohnt, oder?

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Roland Klecker

Roland Klecker

Roland Klecker ist Fotograf in den Bereichen Produkt- und Werbefotografie, Interieur- und Architekturfotografie sowie Portraitfotografie für Gewerbe und Privat.

Er leitet eine Fotoschule in Dortmund-Brackel. Dort lehrt er die Fotografie mit all ihren Facetten und den gesamten Workflow von Konzeption, Umsetzung und Postproduktion. Für das Bildungszentrum Brackel CCDo leitet er Kurse für Senioren und Jugendliche. An der Business Academy Ruhr sowie an verschiedenen IHK doziert Roland als Experte für Fotografie im Social Media Management und Online-Redaktionen.

Für den Rheinwerk-Verlag (vormals Galileo Design) ist er Videotrainer für Bildbearbeitung mit GIMP, bei deren Foto-Podcast "Blende 8" Trainer für verschiedene Aspekte der Fotografie. Im Verlag Pearson Photo arbeitete er als Autor für Kamera-Handbücher.

Zudem arbeitet Roland Klecker als freier Foto-Journalist, hauptsächlich in den Bereichen Konzert, Theater, Messe und Event.
Er ist Initiator und zweiter Vorstand des Vereins "Hafenknipser", einer gemeinnützigen Organisation für kulturelle Förderung, soziale Teilhabe, Integration und Mitnahme im Dortmunder Bezirk Nordstadt.
Roland Klecker

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3 Kommentare zu „Sensorflecken – woher kommen sie und was kann man dagegen tun?

  1. ich sollte wohl ganz unbedingt mal die bereichsreparatur im LR begutachten. bisher ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass es die hier gibt, haha. wenn es wirklich schlimm war, habe ich meist dasselbe in photoshop gemacht und war immer genervt, zwischen den programmen switchen zu müssen.
    danke für den hilfreichen tipp!

    • Nichts zu danken. Die Bereichsreparatur, der Korrekturpinsel und der Verlaufsfilter sind die drei Gründe, warum ich überhaupt noch mit Lightroom arbeite 😉
      Ansonsten findet man mich nur noch in Optics Pro. Allerdings ist das ja auch als Lightroom-Plugin installierbar und somit einfacher Teil meines Workflows.
      Liebe Grüße,
      Roland

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